Saturday, September 15, 2007

Das Leben ist (k)ein Marathonlauf!

„Das Leben ist ein Marathon“ war ein Bild, das der Geschäftsführer immer wieder verwendete. Er meinte damit, dass er und auch seine Mitarbeiter immer bereit sein sollten zu maximalem Einsatz. Pausen gönnte er sich so gut wie nie und auch mittags arbeitete er durch. Und Ende des Jahres legte er seinem Vorstand jeweils hunderte von Überstunden vor, die er im Laufe des Jahres angehäuft hat. Damit hat er allerdings vor allem zweierlei bewiesen. Erstens, dass er vom Marathonlauf keine Ahnung hatte und zweitens, dass er von den Bedürfnissen seines Körpers ebenfalls nicht viel wusste...
Er rauchte zwar nicht und trank auch kaum Alkohol, war ein auf den ersten Blick relativ fitter Mensch. Trotzdem hat er diese gelebte Arbeitshaltung teuer bezahlt. Zum Beispiel damit, dass er schon in relativ jungen Jahren einen Herzschrittmacher eingesetzt bekommen hat. Oder dass die Personalfluktuation in seinem Betrieb weit überdurchschnittlich hoch war, vor allem bei den Führungskräften. Und dann auch, dass er mehr und mehr mit starken psychosomatischen Beschwerden zu tun hatte, die ihn immer mal wieder, wie es so schön heißt, „aus dem Verkehr gezogen“ hatten.

Der Mann, den ich hier beschrieben habe, ist bei weitem kein Einzelfall. Immer wieder begegnen mir Menschen, die sich auf diese oder ähnliche Weise überfordern. Und wie bei einem Pfeilbogen, dessen Sehne irgendwann erschlafft, wenn sie dauernd angespannt ist, so erschlaffen auch diese Leute oft mit einem dramatischen Energieverlust in relativ kurzer Zeit. Das Feuer erlischt und der Weg bis zur Diagnose „Burnout“ ist häufig wirklich nur noch ein sehr kurzer.

Ich bin selbst ein ehemaliger Langstreckenläufer und habe in jüngeren Jahren auch einige Marathons gelaufen. Auch im sonstigen Leben halte ich durchaus viel von Ausdauer und Durchhaltevermögen. Trotzdem behaupte ich, dass das Bild vom Leben als einem Marathonlauf ausgesprochen ungeeignet, ja geradezu fatal ist. Viele verbinden damit die Vorstellung, sie könnten pausenlos mit hohem Tempo Spitzenleistungen erbringen. Dies ist ein gigantischer Selbstbetrug und ein gefährlicher noch dazu. Außerdem blenden die meisten Menschen, die das Bild vom Leben als einem Marathonlauf verwenden, verschiedene wichtige Fakten einfach aus.

Da ist einmal das Training des Marathonläufers. Ein Spitzenläufer läuft 150 bis 200 Kilometer in der Woche, in der unmittelbaren Vorbereitung auch schon mal etwas mehr. Das sind für den Hobbyjogger geradezu irrwitzige Zahlen. Aber im Vergleich zu anderen Sportarten wie Turnen oder Schwimmen ist der Trainingsaufwand sogar relativ gering. Während die einen häufig sechs und mehr Stunden am Tag trainieren kommt der Marathonläufer im Durchschnitt auf höchstens 2 bis 2 ½ Stunden. Außerdem läuft ein Spitzenmarathonläufer höchstens ein bis zwei Marathons im Jahr. In seltenen Fällen noch einen dritten, der aber meistens ein deutlich geringeres Leistungsniveau als die anderen beiden hat.

Es gibt also einen großen Unterschied zwischen dem Bild des Marathonläufers als Symbol für das Leben im Allgemeinen und das Berufsleben im Speziellen und der Realität eines wirklichen Marathonläufers. Mit dem Bild des Marathonläufers ist die Vorstellung eines auf Hochleistung getrimmten Menschen verbunden, der ohne Pause bis zum Ende durchläuft. Der Wettkampf ist aber nur ein kleiner Ausschnitt aus dem Leben eines Marathonläufers. Die ganze Realität sieht hingegen so aus, dass er zwar hart trainiert, aber sehr konsequent auch auf seine Erholung achtet, um genau dann gut zu sein, wenn es darauf ankommt. Dies gilt im Übrigen auch für alle anderen internationalen Topathleten.

Auch ist sein Training im Jahresverlauf nicht gleichförmig, sondern ebenfalls durch eine Abwechslung von Phasen mit hohen und Phasen mit geringerer Belastung gekennzeichnet. Mit anderen Worten: im Gegensatz zum vorhin beschriebenen Geschäftsführer zeichnet sich ein Spitzenmarathonläufer auch dadurch aus, dass er ganz konsequent Erholungszeiten in seinen Tages-, Wochen-, Monats- und auch Jahresablauf einplant!! Diese Erholungszeiten nennt man „Kompensation“ und er weiß, dass er seine Leistungsfähigkeit nur so weiterentwickeln kann. Tut er es nicht, dann verbraucht er im Training seine Substanz anstatt neue aufzubauen.

Auch über den Marathonlauf hinaus wird sowohl in der Sportwissenschaft wie auch in der Praxis des Spitzensports immer mehr erkannt, welch hohe Bedeutung die Erholung für die Leistungsentwicklung eines Topathleten hat. Ja, man geht heute sogar soweit, dass der Erholungsfähigkeit eines Sportlers mit die höchste Vorhersagekraft für den zukünftigen Erfolg zugesprochen wird.

Sehen Sie irgendeinen Grund, warum das in anderen Spitzenleistungsbereichen anders sein sollte? Ich nicht. Auch ein Unternehmer, eine Führungskraft oder ein Vertriebsexperte muss mit seiner Energie haushalten. Sonst bleibt er irgendwann genauso am Straßenrand liegen wie sein Auto, wenn er es nicht regelmäßig warten und auftanken lässt.

Auszug aus dem Hörbuch „Mit Stress zur Spitzenleistung“ (Markus Frey)

Wednesday, January 17, 2007

Work-Life-Balance als Lockvogel-Angebot

In einem Wirtschaftsportal hat ein Teilnehmer aus einem Buch des Management-Gurus Jack Welch zitiert, der meinte , dass die meisten Work-Life-Balance-Konzepte in den Firmenbroschüren lediglich dazu dienten, neue Mitarbeiter zu rekrutieren. Ich frage mich gerade, ob das wirklich so schlimm ist. Schließlich ist es weniger entscheidend, ob eine Firma eine betriebseigene Sauna hat, als dass der einzelne Mitarbeiter Work-Life-Balance als persönliches Lebens- und Arbeitskonzept lebt und umsetzt. Und meiner Meinung nach ist auch der wichtigste Beitrag zur Work-Life-Balance die Wertschätzung eines Mitarbeiters. Und dieser Beitrag ist sogar gratis...

Saturday, January 13, 2007

IT-Leute besonders gestresst

Ende des vergangenen Jahres hat das Institut für Arbeit und Technik in Gelsenkirchen eine Studie veröffentlicht, die aufhorchen ließ. Während 16 Monaten haben die Arbeitsforscher sieben IT-Projektgruppen begleitet. Resultat ihrer Untersuchungen war, dass die Mitarbeiter in IT-Projekten bis zu viermal häufiger unter psychosomatischen Beschwerden leiden als der Durchschnitt der Beschäftigten. 40 Prozent stehen kurz vor dem Burnout, fühlen sich seelisch und körperlich völlig erschöpft.
Die Resultate der kleinen IAT-Studie sind weder völlig neu noch kommen sie überraschend. Schon lange ist bekannt, dass die modernen Arbeitsbedingungen (flexible Arbeitszeiten, große Eigenverantwortung etc.) für die Psyche oft sehr schwierig zu handeln sind. Fragt sich nur, was sowohl der einzelne Mitarbeiter als auch der Unternehmer und Personalverantwortliche für Konsequenzen aus dieser Erkenntnis zu ziehen bereit ist.
Markus Frey

Sunday, October 15, 2006

Körpergefühl II

Hmm, der Alarmruf des Präsidenten der Bundesärztekammer vom vergangenen Wochenende stimmt schon nachdenklich. Er beklagte eine große Nachläßigkeit weiter Bevölkerungskreise in Bezug auf den eigenen Körper. Signale, die der Körper aussende, werden nicht beachtet bis der Körper mit einer schweren Krankheit reagiere wie z.B. Diabetes.
Oder auch Burnout. Dies ist ein besonders klassisches Beispiel für die Ignoranz von körperlichen, aber auch psychischen Signalen. Ein Burnout verläuft immer in mehreren Phasen, in denen es jeweils durchaus die Chance des Gegensteuerns gibt. Leider tun es nur wenige und geben damit ein weiteres Beispiel für schlecht entwickeltes Körpergefühl (siehe StressFreyBlog vom 12. Oktober). Vor allem das Bedürfnis des Körpers für Erholung und Entspannung wird ignoriert. Ironie der Geschichte ist, dass die, die das tun, ja grundsätzlich Leistung bringen wollen. Durch die dauerhafte Missachtung des Erholungsbedürfnisses des Körpers sinkt aber gerade die Leistungsfähigkeit langsam aber stetig. Da die Anforderungen an eben diese Leistungsfähigkeit aber immer höher werden, ist dann der Weg zum Burnout nicht mehr so lang. Für viele geht es also darum, wieder neu eine Balance zwischen Anforderung und Erholung zu erlernen. Dann kann die eigene Stressresistenz auch wieder erhöht werden.

Saturday, October 14, 2006

Website-Stress

Endlich!!! Endlich konnte ich das Formularproblem auf meiner Website lösen. Zugegeben, es hat bei mir schon die eine oder andere Portion an Stresshormonen ausgelöst, aber jetzt scheint das Problem wenigstens gelöst. Die zwei wichtigsten sind übrigens das Formular zur kostenlosen Bestellung der „StressFrey-News“ mit denen man jeden Monat viel Wissenswertes zu „Mitarbeiter Stress“ und Tipps zum Umgang mit ihm erhält. Außerdem Informationen zu Veranstaltungen und Angeboten des StressFrey-Instituts.

Mit dem zweiten Formular können Sie sich zum Impulstag „Mach den Stress zu deinem Freund!“ anmelden. Es handelt sich hier um ein Tagesseminar für Fach- und Führungskräfte im Tagungshotel „Große Ledder“ in Wermelskirchen-Stumpf. Hier erhalten Sie ebenfalls viele praxisbezogene Impulse, um effektiv mit dem Stress umzugehen und Ihre Leistung zu optimieren.

Markus Frey

Thursday, October 12, 2006

Körpergefühl

Eben habe ich einen Beitrag gelesen, in dem die Autorin die Meinung vertreten hat, dass viele Kinder kein Gefühl für ihren Körper mehr hätten. Dies führe u.a. dazu, dass viele von ihnen Unmengen an ungesunden Nahrungsmittel zu sich nehmen und dass wir deshalb immer mehr übergewichtige Kinder haben.
Die Frau hat sicher Recht. Nur vergaß sie leider zu erwähnen, dass auch viele Erwachsene die Bedürfnisse ihres Körpers tagtäglich ignorieren und ihr Körpergefühl schon längst verschüttet ist. Das führt u.a. auch dazu, dass wir nicht nur immer mehr Belastungen haben, mit denen wir umgehen müssen, sondern gleichzeitig auch geringere Ressourcen, um mit diesen Belastungen umzugehen.
Markus Frey

Monday, October 03, 2005

Einheit im Alltag

3. Oktober, Tag der deutschen Einheit. Hmm. Unzählige Menschen träumten und träumen diesen Traum, im Kleinen wie im Großen. Schon Jesus Christus bat in seinem berühmten hohenpriesterlichen Gebet um die Einheit seiner Nachfolger, und in der deutschen Geschichte hat der Begriff seit Beginn seine hohe Bedeutung gehabt. Heute wird die Einheit immer wieder beschworen, ob in Koalitionsverhandlungen, auf den Spielfeldern sportlicher Auseinandersetzungen, im Wirtschaftsleben usw.Und im Kleinen wie im Großen scheitert er oft, allzu oft. Statt Einheit stressreiche Beziehungen auf allen Ebenen.
Aber es gelingt auch häufig, viel häufiger als die Schlagzeilen über gescheiterte Ehen, Firmenfusionen und andere Partnerschaften uns annehmen lassen, diese Einheit zu leben. So wie ich es sehe, gibt es vor allem zwei Indikatoren, die Einheit erlebbar machen, ob dies nun “nur” auf der Ebene zweier Einzelpersonen, zwei oder mehrerer Organisationen (z.B. Firmen, Kirchengemeinden, Sportvereinen oder -verbänden) oder eben dem Zusammenkommen von einst zwei Staaten zu einem gemeinsamen Staat geschieht.1. Je höher, das von allen geteilte gemeinsame “oberste” Ziel ist, je höher ist die Chance, dass Einheit gelingt, unter der Voraussetzung, dass2. nicht einer oder mehrere der Partner den Eindruck gewinnen, dass er in irgendeiner Weise von den anderen “über den Tisch gezogen” wird.Beide Punkte sind überaus bedeutungsvoll und können nur schwer überschätzt werden. Und deshalb ist es die wichtigste Führungsaufgabe gerade im Bereich dieser Punkte hellwach zu sein. Hellwach zu sein in der Familie, in der Firma, in der Vereins- oder Verbandsführung, wenn es um die Bildung einer Koalition oder eben das weitere Zusammenwachsen zu einer Nation geht. Wenn diese zwei Punkte nicht erfüllt sind, bzw. gefährdet sind, kann es keine innere Einheit geben und über kurz oder lang ist dann auch die äußere Einheit gefährdet.

Ich wünsche Ihnen/Euch und mir, dass wir in den unterschiedlichsten Zusammenhängen immer mehr echte Einheit erleben dürfen. Es gibt kaum etwas lohnenderes und bereicherndes als sich gerade dafür einzusetzen! In diesem Sinne eine erfolgreiche Woche, Ihr/Euer Markus Frey